Leistungen

Verse sammeln und versammeln.


 

Nichts 08/22

Woher kommt das Nichts? 

Woraus wird es geboren?

 Man sagt die Überlieferung eines Berichts ging durch Zeiten ganz verloren.
 

Von Nichts kommt nichts. Wo nichts ist, kann nichts werden, sich nichts einen, auch nichts sterben.

Und da ist nichts in mir, 

Erfüllt mich voll mit Leere, 

Kein Raum, kein Ort, kein hier. 

Verloren kreise ich als Niemand durch die angestaute Leere,

Doch was ist das, das ich durchquere? 

Die Leere ist ein weiteres Feld,

durch Dunkelheit begrenzt, 

Ich bin sicher dass auch du sie kennst. 

Du allein. Bist nichts.

Wenn nichts auf nichts trifft, was kann werden? 

Wir beide sind gemacht aus Nichts, und ziehen uns doch an. 

Zwischen uns die große Schulcht, die Lücke, verbindet, dann und wann. 

Du löst dich auf. 

Ganz plötzlich löst sich was von dir. 

Ein Bruchteil von dir sucht sich einen Weg. 

Funken ziehen durch das Dunkel hinter dem Komet. 

Das Leuchten folgt der Bahn im Flug, sie führt zu mir, ich wirk als Zug. 

Vor mir verdichtet sich die Leere,

Ich spüre etwas von dir sinken in meine tiefe Schwere. 

Berechnend ist es eingetroffen, hat was eingeschlagen, aufgebrochen. 

Es hat ein Loch gedrückt in meine Leere. 

Wo nichts ist, kann auch nichts werden. 

Mein Nichts zerbricht durch dich in Scherben, in Funken, in Spannung, Vibration. 

Unsichtbare Lichter leuchten schon. 

Leise Chöre singen schön, 

Es kreiselt durch die Tiefen, durch die Höhen.

Es hüllen blasse Farben unsere Sinne ein, 

Das Nichts strömt aus, der Atem ein. 

Und Schlag auf Schlag der Takt nun schlägt, 

Melodie umschlingt mit Schwung die Kontinuität. 

Das Dunkel verzieht in den Schatten des Lichts. Vor meiner Linse, da zerbrichts. 

Das Nichts. 

Woher kommt alles? Woraus sind wir geboren? 

Ich bin nicht nichts. Auch wenn stets bleibt davon ein Teil in mir,

So gibt es doch Raum und Ort und hier. 




Maskenball 02/24

In den Häusern großer Bühnen gibt es Räume voll mit Kleidern und Kostümen 

Sie warten dort im Dunkeln drinnen auf ihren Auftritt

Zarte Haut zum Funkeln bringen ist ihr Job als Outfit 

Geshapte Körper, frisch Diäten unterzogen, 

sieht man auf dem Teppich oben bei tosendem Blitzgewitter und Bling Bling 

in Smoking und Bundfaltenhosen posen.

Auf den Bühnen die Programme. Hinter Bühnen Autogramme. Vor dem Eingang Autoschlange.

Wer will schon auf dem Teppich bleiben? Im Bälle-Bad da lassen sich die Helden treiben.

Im Getümmel wimmelt es von bunten Hunden Glanz und Glummour, Schein und Schimmer.

Fotografen freuen sich auf Star-Gesichter in den Linsen, die in Scheinwerf-Lichter grinsen. Begehrt, geehrt, Idole, von denen Menschenmassen träumen,vermehrt versperrt hinter Security und Zäunen.

Extravagant den Abend zu genießen, Erfolge zünftig zu begießen, 

Lassen bis zum Morgen, also zum Umfallen, die Champangerkorken knallen. 

Von den Stars und Sternchen kommen ein paar als Pärchen - 

Wer nicht, versucht sich die eine oder den anderen, der sehr verehrten Damen und „Härn“ zu klärn

Nach Empfang, Gefilme und dem Essen, Meet and Greet, Applaus und den Exessen 

Ziehen Menschen ihre Kleider aus. 

Vorbei ist dann das Leben, ohne das sie nur noch leere Hüllen abgeben. 

Diese werden in Geraderoben abgeschoben. 

Unter den Teppich gekehrt und in der Kleiderkammer eingesperrt. 

Die Fotos, auf denen sie Geschichte schreiben, werden ihnen stets verborgen bleiben.  

Nur ich wage mich nach den Nächten voll Gedränge runter  in die kalten Gänge. 

An der Tür zur Kammer zwischen Kellerschächten drückt die Klinke sich in meine Hände, als wenn sie ihr Befreiung brächten. 

Ich sehe Staub, der wirrend zu Boden  sinkt, als klirrend das Licht anspringt. 

Von den Wänden blicken Masken, leise, Hemden von den Bügeln, Schuhe aufgereiht, paarweise. In den Fächern stapeln sich in Hügeln Rüschen, Spitze, Samt und Seide.

Vor den Spiegeln Rouge und Pinsel und Paljetten, Perlenketten, Ringe Federn. 

Manche Dinge sind aus Latex, Lack und Ledern. 

Auf weißen Köpfen liegen Brillen und Perücken zwischen abgehobenen und schrillen Einzelstücken. 

Auf den Lehnen chillen fett Hoodies Jogger Plüsch und Sweat.

Das Outfit Nachtigall das war mal Prunk und prächtig, inzwischen, nach so manchem Ball, wirkt sie dramatisch übernächtigt.

Der gute Anstand, der einst mit Hut und Stock an der barocken Schrankwand stand, der mit seinem strengen Ton vor Jahren schon, aus dem Saum und aus der Mode, fiel, dem ist der Stil geblieben,

genauso wie der Eleganz, die noch heute alle lieben, dank ihrem Charm und ihrem Glanz. 

Im schwarzen Kleid mit schwarzem Schleier steckt die Traurigkeit, bereit zur Trauerfeier,

Sie passte gar nicht auf die Galen. Auch die Einsamkeit mit ihren fahlen Stoffen hat aus der Masse immer rausgestochen, wurde geschoben in die hintersten Ecken, wo auch die Scham, die Schuld, Selbst- Zweifel, sich verstecken.

Wenn ich in die Kammer gehe, beginnen die Masken, die sich sonst so langweilen, sich mir mitzuteilen. Ich höre hin, auch wenn sie klagen, doch heute will ich sie was fragen.  

Denn, auch wenn alle denken, Sie seien hier unten, weggesperrt und stumm, trag ich sie täglich heimlich mit herum. Wechsele sie in meinem Rollen.

Je nach Szene, setz ich die Clownsnase auf, beim Grollen auch die Löwenmähne. 

So spiele ich im Leben mit, als Drache oder Dracula, auch Prinzessin und die Drama Queen hab ich im Repertoire.

Doch in Schalen werfen will mich heute nicht, obwohl ich es so mag. Denn Ich frage mich, wer bin wirklich ich, den ganzen Tag? 

Weil mich die Masken inzwischen immer mehr belasten, will ich die Schleier fallen lassen.

Mal sehen, wenn wir uns gleich begegnen, ob ich es schaff, sie abzulegen?

 

 

Höre auf Elaine 03/21

Hör auf, Elaine. Ich höre doch, dass du schon wieder am Kratzen bist. 

Hör auf mit dem endlosen Kaputtmachen.

Du schwörst drauf, doch vom Kratzen geht das Jucken nicht weg. 

Ratsche patsche weg, in Hautstücke, Blut und Wundflüssigkeit.

Elaine, lass die Finger!

Lass die Finger mir zum Kratzen heil.

Wohin soll das führen? Wo hört das auf?

Die Suche nach der Grenze zerstört meine Haut. 

Du gräbst in ihr, zerstörst meine Oberfläche.

Oberflächen verschwinden unter deinen Händen, in deinem Blick. 

Lass die Finger ratsche patsche weg. 

Kratze aufgekratzt meine Wunden.

Kratze in meinen Wunden.

Tief in meine Wunden.

Tiefe. Endlich. 

 

 

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